Die Welt der Gitarren ist vielfältig und faszinierend – von der klassischen Akustikgitarre über die schreiende E-Gitarre bis hin zu Hybriden, die das Beste aus beiden Welten vereinen. Unter diesen Hybriden ragt die Semi-Akustikgitarre heraus: ein Instrument, das mit seiner warmen Resonanz und elektrischen Vielseitigkeit Gitarristen rund um die Welt begeistert. Wenn du dich fragst, was eine Semi-Akustikgitarre ist, oder ob sie für deinen Spielstil passt, bist du hier genau richtig. In diesem ausführlichen Beitrag tauchen wir tief in die Welt der Semi-Akustikgitarren ein: Wir erklären ihren Aufbau, ihre Geschichte, ihre Stärken und wann sie der ideale Begleiter für dich sein könnte. Ob du Jazz-Liebhaber bist, Blues zupfst oder einfach neugierig auf neue Klänge – diese Gitarre könnte dein nächster Favorit werden.
Wie wählt man eine passende Reisegitarre aus?
Was ist eine Semi-Akustikgitarre?

Eine Semi-Akustikgitarre, auch als Semi-Hollowbody-Gitarre bekannt, ist eine Art E-Gitarre mit einem hohlen oder halb hohlen Korpus. Im Gegensatz zu einer reinen Akustikgitarre, die hauptsächlich unplugged gespielt wird, oder einer Solidbody-E-Gitarre wie der ikonischen Fender Stratocaster, kombiniert die Semi-Akustik die natürliche Resonanz eines hohlen Bodens mit elektrischen Tonabnehmern (Pickups). Das Ergebnis? Ein Instrument, das sowohl akustisch als auch verstärkt einen vollen, warmen Klang erzeugt, ohne dass du dich auf eine Seite festlegen musst.
Stell dir vor, du nimmst deine Gitarre in die Hand, zupfst ein paar Akkorde – und hörst sofort diesen reichen, vibrierenden Ton, der aus dem Inneren des Instruments strömt. Die Pickups wandeln die Saitenvibrationen in ein elektrisches Signal um, das du über einen Verstärker ausgibst. Aber anders als bei einer reinen E-Gitarre trägt der hohle Korpus zur Klangfarbe bei und sorgt für eine organische Wärme. Es ist kein Zufall, dass viele Profis sie als „Brückenbauer“ zwischen Akustik und Elektrik bezeichnen. Wenn du eine Semi-Akustikgitarre kaufen möchtest, achte auf Modelle mit F-Loch-Design, das den klassischen Archtop-Stil widerspiegelt.
Die Geschichte der Semi-Akustikgitarre

Die Semi-Akustikgitarre hat ihre Wurzeln in den 1930er Jahren, einer Zeit, in der Jazz und Big Bands die Musikszene dominierten. Damals suchten Gitarristen nach Wegen, um mit lauten Blasinstrumenten und Schlagzeugen mitzuhalten. Die ersten Modelle entstanden in den USA, angeführt von Pionieren wie Gibson. 1936 stellte Gibson die ES-150 vor – das erste kommerziell erfolgreiche semi-akustische Modell. Mit einem hohlen Archtop-Korpus und einem Single-Coil-Pickup (benannt nach dem Jazz-Legende Charlie Christian) revolutionierte es die Szene. Plötzlich konnte die Gitarre nicht nur mithalten, sondern auch mit einem klaren, singenden Ton glänzen.
In den 1940er und 1950er Jahren explodierte die Popularität: Modelle wie die Gibson ES-175 (1949) integrierten integrierte Pickups direkt in den Korpus. Die 1958er Gibson ES-335 brachte dann den Durchbruch für Semi-Hollowbodies mit einem soliden Mittelblock, der Feedback-Probleme reduzierte. Marken wie Gretsch (z. B. die 6120 Chet Atkins) und Rickenbacker folgten mit innovativen Designs. In den 1960er Jahren eroberten Semi-Akustikgitarren den Rock ’n‘ Roll und Blues, gespielt von Ikonen wie B.B. King oder den Beatles. Heute lebt die Tradition fort, mit modernen Varianten von Gibson, Epiphone und Ibanez, die die klassische Ästhetik mit zeitgemäßer Spielbarkeit verbinden. Diese Entwicklung zeigt: Die Semi-Akustikgitarre ist nicht nur ein Instrument, sondern ein Stück Musikgeschichte.
Aufbau und Merkmale einer Semi-Akustikgitarre
Der Charme einer Semi-Akustikgitarre liegt in ihrem cleveren Aufbau. Der Korpus ist entweder vollständig hohl (Hollowbody) oder halb hohl (Semi-Hollowbody) mit einem soliden Holzblock in der Mitte. Dieser Block – oft aus Mahagoni oder Ahorn – verhindert unkontrolliertes Vibrieren und minimiert Feedback bei hohen Lautstärken. Die Oberseite ist meist gewölbt (Archtop), mit F-Löchern für den Schallabfluss, ähnlich wie bei einer Violine. Der Hals ist typischerweise länger und schmaler als bei Akustikgitarren, mit einem 24,75-Zoll-Maßstab (wie bei Gibson-Modellen), was schnelles Solospiel erleichtert.
Wichtige Merkmale umfassen:
- Pickups: Humbucker für warmen, dicken Sound oder Single-Coils für brillante Klarheit.
- Stege und Mechaniken: Oft ein Tune-O-Matic-Stege für stabile Stimmung und ein Bigsby-Tremolo für sanfte Vibrato-Effekte.
- Holzarten: Ahorn für Helligkeit, Mahagoni für Wärme – Laminate schützen vor Verformungen durch Feuchtigkeit.
- Elektronik: Volumen- und Tonregler, manchmal ein Phase-Switch gegen Brummen.
Diese Elemente machen die Gitarre leicht (ca. 3-4 kg) und komfortabel, ideal für lange Sessions. Im Vergleich zu Solidbodies fühlt sie sich natürlicher an, und unplugged ist sie leiser als eine Akustik, aber hörbarer als eine reine E-Gitarre – perfekt zum Üben.
Klang und Tonvielfalt
Der Klang einer Semi-Akustikgitarre ist ihr Markenzeichen: warm, resonant und vielseitig. Der hohle Korpus verstärkt die Saitenvibrationen natürlich, was zu einem vollen Midrange und weichen Höhen führt – denk an den cremigen Ton in einem Jazz-Standard. Verstärkt durch einen Clean-Amp entfaltet sie sich zu einem airy, organischen Sound, der Tiefe und Dynamik bietet. Mit Overdrive oder Distortion wird sie grittig und bluesig, ideal für rockige Riffs.
Die Tonvielfalt kommt von den Pickups: Humbucker sorgen für Sustain und Dicke, Single-Coils für Twang und Biss. Im Vergleich zu Hollowbodies hat sie weniger Feedback-Risiko, zu Solidbodies mehr Wärme. Fingerpicking klingt intim, Strumming kraftvoll – und mit Effekten wie Reverb oder Delay entstehen traumhafte Ambient-Landschaften. Wenn du nach einem Instrument suchst, das von fingerpflückenden Balladen bis zu knallharten Solos reicht, ist die Semi-Akustik unschlagbar.
Vorteile und Nachteile der Semi-Akustikgitarre
Wie jedes Instrument hat die Semi-Akustikgitarre ihre Stärken und Schwächen. Vorteile:
- Wärmer Klang: Natürliche Resonanz für authentische Töne in Jazz, Blues und Rock.
- Vielseitigkeit: Funktioniert unplugged zum Üben und verstärkt für Bühne oder Studio.
- Weniger Feedback: Der Mittelblock erlaubt höhere Volumes ohne Heulen.
- Komfort: Leicht und ergonomisch, mit guter Haltbarkeit durch Laminat.
Nachteile:
- Feedback-Empfindlichkeit: Bei Hollowbody-Modellen kann es bei lauten Gigs problematisch werden (Lösung: Suppressors nutzen).
- Pflegeaufwand: Empfindlich gegenüber Feuchtigkeit; regelmäßige Reinigung und Humidifier sind ratsam.
- Preis: Hochwertige Modelle starten bei 500 €, was Einsteiger abschrecken könnte.
Trotz kleiner Haken überwiegen die Pluspunkte für passionierte Spieler – sie belohnt mit einem einzigartigen Feeling, das du nirgendwo sonst findest.
Wann sollte man eine Semi-Akustikgitarre verwenden?
Die Frage wann eine Semi-Akustikgitarre verwenden hängt von deinem Stil und Kontext ab. Sie glänzt in Genres wie Jazz (für smoothe Chords und Melodien, à la George Benson), Blues (wo der warme Ton perfekt zu bends und Slides passt, wie bei B.B. King) und Rockabilly oder Indie-Rock (denk an The Black Keys). In der Pop- oder Folk-Szene eignet sie sich für akustisch-elektrische Hybride, z. B. bei Fingerstyle oder leichten Overdrive-Sounds.
Verwende sie, wenn du:
- Dynamik suchst: Von cleanen Arpeggios zu crunchy Riffs.
- Live spielst: Feedback-kontrolliert für mittelgroße Venues.
- Im Studio arbeitest: Für layered Tracks mit organischem Charakter.
- Übst: Unplugged ohne Nachbarn zu stören.
Für High-Gain-Metal oder laute Stadien ist eine Solidbody besser; für pure Akustik eine Dreadnought. Aber für vielseitige Sessions? Die Semi-Akustik ist dein Go-to.
Bekannte Modelle und Marken
Die Auswahl an Semi-Akustikgitarren ist riesig. Klassiker wie die Gibson ES-335 (seit 1958, mit PAF-Humbuckern für legendären Ton) oder die Gretsch G6120 Chet Atkins dominieren die Szene. Für Einsteiger empfehle ich die Epiphone Inspired by Gibson ES-335 – günstig, aber authentisch. Ibanez Artcore AS53 bietet japanische Präzision zu einem fairen Preis, während Rickenbacker 360 ein twangy Vintage-Feeling bringt. PRS SE Hollowbody II mischt Modernes mit Tradition. Diese Modelle haben Geschichte: Die ES-335 war Favorit von Larry Carlton, die Gretsch von Brian Setzer. Pro-Tipp: Teste sie in einem Laden, um den Klang auf deine Hände abzustimmen.
Zusammenfassend: Die Semi-Akustikgitarre ist mehr als ein Instrument – sie ist ein Tor zu neuen Klängen und Stilen. Ob du Anfänger bist oder Profi, sie inspiriert und fordert heraus. Wenn du das nächste Mal eine warme, resonante Note suchst, greif zur Semi-Akustik. Hast du schon Erfahrungen damit? Teile sie in den Kommentaren!
Quellen
- Wikipedia: Semi-acoustic guitar. https://en.wikipedia.org/wiki/Semi-acoustic_guitar
- Riffhard: How to Use a Semi-Acoustic Guitar. https://www.riffhard.com/how-to-use-a-semi-acoustic-guitar/
- Andertons Blog: Semi-Hollow vs Hollow Body Guitars. https://blog.andertons.co.uk/learn/semi-hollow-vs-hollow-body-guitars
- Yamaha Musical Instrument Guide: The electric guitar family. https://www.yamaha.com/en/musical_instrument_guide/electric_guitar/structure/structure002.html
- Guitar Player: Best semi-hollow guitars 2025. https://www.guitarplayer.com/gear/best-semi-hollow-guitars
- MusicRadar: Best semi-hollow guitars 2025. https://www.musicradar.com/news/best-semi-hollow-guitars





