Vintage-Gitarren sind nicht nur wertvolle Sammlerstücke, sondern auch Instrumente mit Seele – sie tragen die Geschichte des Rock ’n‘ Roll, des Jazz und unzähliger Jam-Sessions in sich. Ob eine 1950er Fender Stratocaster oder eine 1970er Gibson Les Paul: Diese alten Schätzchen erfordern besondere Sorgfalt, um ihren Klang, ihr Aussehen und ihren Wert zu erhalten. In diesem umfassenden Guide zur Pflege von Vintage-Gitarren erklären wir, was Sie wissen müssen, um Schäden vorzubeugen und Ihr Instrument in Top-Zustand zu halten. Von der richtigen Reinigung über Feuchtigkeitskontrolle bis hin zu Lagerungstipps – alles basierend auf bewährten Methoden. Lassen Sie uns eintauchen in die Welt der Vintage-Gitarren Wartung, damit Ihre Gitarre noch Jahrzehnte rockt.
Worauf man beim Reinigen des Griffbretts achten sollte
Die Bedeutung der richtigen Pflege für Vintage-Gitarren

Warum ist die Pflege alter Gitarren so entscheidend? Im Gegensatz zu modernen Modellen aus stabilen Materialien bestehen Vintage-Gitarren oft aus empfindlichem Holz wie Ahorn, Mahagoni oder Rosenholz, das mit der Zeit altert. Nitrocellulose-Lacke, die in den 50er und 60er Jahren üblich waren, sind porös und anfällig für Risse, wenn sie austrocknen. Ohne regelmäßige Vintage-Gitarren Pflege drohen Probleme wie gesprungene Decken, verzogene Hälse oder verblasste Finishs, die den Wert Ihres Instruments massiv mindern können.
Stellen Sie sich vor, Sie besitzen eine seltene Gretsch aus den 70er Jahren – ein Stück Musikgeschichte. Eine falsche Lagerung in trockener Heizungsluft könnte innerhalb eines Winters zu teuren Reparaturen führen. Die gute Nachricht: Mit einfachen, aber konsequenten Schritten können Sie das vermeiden. Experten empfehlen, die Pflege als Routine zu etablieren – ähnlich wie das tägliche Üben. So bleibt nicht nur der Klang klar und resonant, sondern auch das visuelle Erscheinungsbild makellos. In den folgenden Abschnitten gehen wir detailliert auf die wichtigsten Aspekte ein.
Umweltbedingungen: Feuchtigkeit und Temperatur kontrollieren

Einer der größten Feinde von alten Gitarren ist die Umwelt. Holz ist hygroskopisch, das heißt, es nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie ab – was zu Schrumpfen oder Quellen führt. Ideal sind konstante Bedingungen: Eine relative Luftfeuchtigkeit von 40–50 % und eine Raumtemperatur zwischen 18–24 °C. In trockenen Wintern (unter 30 % Feuchtigkeit) kann das Holz Risse bekommen, während hohe Feuchtigkeit (über 60 %) Schimmel oder Verformungen begünstigt.
Tipps zur Feuchtigkeitskontrolle:
- Hygrometer nutzen: Ein kleines Thermometer-Hygrometer (z. B. für Gitarrenkoffer) misst präzise und kostet nur wenig. Hängen Sie es in den Koffer oder den Aufbewahrungsort.
- Befeuchter einsetzen: Für Akustikgitarren eignen sich spezielle Systeme wie D’Addario Humidipak oder Schwamm-basierte Befeuchter. Legen Sie sie in den Koffer und wechseln Sie sie regelmäßig. Vermeiden Sie Haushaltsbefeuchter, da sie Staub und Mineralien ablagern können.
- Temperaturschwankungen meiden: Lagern Sie die Gitarre nie in der Nähe von Heizkörpern, Fenstern oder Garagen. Bei Reisen: Lassen Sie das Instrument im Koffer 1–2 Stunden akklimatisieren, bevor Sie es öffnen.
In Regionen mit schwankendem Klima, wie in Mitteleuropa, ist das besonders relevant. Eine stabile Umgebung schützt nicht nur das Holz, sondern auch Kleber und Brückenverbindungen, die bei Vintage-Modellen oft empfindlich sind.
Reinigung und Pflege der Oberflächen
Nichts ist ärgerlicher als Fingerabdrücke oder Staub auf dem makellosen Finish Ihrer Vintage-Gitarre. Regelmäßige Reinigung entfernt Schmutz, Schweiß und Öle, die sich beim Spielen ansammeln und Korrosion verursachen. Wichtig: Verwenden Sie nur guitarenspezifische Produkte – Haushaltsreiniger wie WD-40 oder Möbelpolitur können den Lack angreifen.
Schritt-für-Schritt-Reinigung:
- Täglich nach dem Spielen: Wischen Sie mit einem weichen Mikrofasertuch (trocken) über Body, Hals und Hardware ab. Das verhindert Aufbau von Salzen aus Schweiß.
- Wöchentliche Pflege: Für nitrocellulose-Lacke (häufig bei Vintage-Modellen) eignet sich ein milder Polierer wie Martin Guitar Polish oder Gibson Pump Polish. Tragen Sie eine kleine Menge auf ein Tuch auf (nicht direkt auf die Gitarre!) und polieren Sie kreisförmig. Bei satin-mattierten Finishs: Nur trocken wischen, da Politur die Patina verändern kann.
- Hardware und Saiten: Reinigen Sie Knöpfe und Schrauben mit einem weichen Tuch. Für verkrustete Saiten: Ein String Cleaner-Spray (z. B. Dunlop Ultraglide) verlängert ihre Lebensdauer und verbessert den Klang.
Vermeiden Sie übermäßiges Polieren – einmal im Monat reicht. Bei „kalkigen“ alten Lacken: Zuerst mit einem trockenen Tuch abstauben, um Kratzer zu verhindern. So bleibt der charakteristische Glanz Ihrer Gitarre erhalten.
Wartung des Griffbretts und der Bünde
Das Griffbrett ist das Herzstück jeder Gitarre, wo der Großteil des Verschleißes passiert. Bei Vintage-Gitarren aus Rosenholz oder Ebenholz trocknet es leichter aus, was zu Rissen oder „Fretsprouting“ (stehende Bünde) führt. Regelmäßige Konditionierung ist essenziell.
Praktische Tipps:
- Bei Saitenwechsel: Entfernen Sie alte Saiten, reinigen Sie das Brett mit 0000-Stahlwolle (synthetisch, um Splitter zu vermeiden) und einem Conditioner wie Dunlop Lemon Oil. Lassen Sie es 5–10 Minuten einwirken, dann abwischen. Für Ahorn-Griffbretter: Kein Öl, stattdessen ein feuchtes Tuch und Polierer.
- Häufigkeit: Alle 2–3 Monate, je nach Spielhäufigkeit. Spielen Sie viel? Die natürlichen Öle Ihrer Finger konditionieren es bereits teilweise.
- Bünde polieren: Mit einem weichen Tuch und etwas Poliercreme die Bünde blank rubbeln – das reduziert Reibung und verlängert ihre Haltbarkeit.
Achten Sie auf Nägel: Kurze Nägel verhindern Kratzer. Und: Lassen Sie bei starkem Verschleiß einen Luthier ran – DIY bei Vintage-Instrumenten birgt Risiken.
Lagerung und Schutz vor äußeren Einflüssen
Wo und wie Sie Ihre alte Gitarre lagern, macht den Unterschied zwischen Erhalt und Verlust. Ein harter Koffer ist Pflicht: Er schützt vor Stößen, Staub und Feuchtigkeitsschwankungen. Gig-Bags sind für den Alltag okay, aber nicht für Langzeitlagerung.
Beste Praktiken:
- Im Koffer lagern: Schließen Sie den Koffer immer, wenn die Gitarre nicht im Einsatz ist. Fügen Sie Silikagel-Päckchen gegen Feuchtigkeit hinzu.
- Ständer und Hänger: Nur in stabiler Umgebung! Vermeiden Sie Wandhänger, da Vibrationen und Fallrisiken den Hals belasten können. Ein A-förmiger Ständer ist sicherer.
- Reisen: Verwenden Sie gepolsterte Cases und lassen Sie die Gitarre nie im Auto bei Extremtemperaturen. Bei Flügen: Als Handgepäck mitnehmen.
Spielen Sie oft? Das ist super – regelmäßiges Spielen hält das Holz „lebendig“ und verhindert Stocken.
Regelmäßige Checks und wann Profis hinzuziehen
Selbst mit bester Pflege brauchen Vintage-Gitarren jährliche Inspektionen. Überprüfen Sie monatlich: Sind Saiten locker? Ist der Hals gerade? Gibt es Risse? Ein Setup (Truss-Rod-Anpassung, Intonation) alle 6–12 Monate sorgt für optimales Spielgefühl.
Wann zum Luthier? Bei Anzeichen von Feuchtigkeitsschäden, klemmenden Bünden oder Setup-Problemen. Professionelle Pflege kann teuer sein, spart aber langfristig Geld. Für Anfänger: Üben Sie an günstigeren Modellen, bevor Sie an Ihrem Schatz herumschrauben.
Häufige Fehler vermeiden bei der Gitarrenpflege
Viele Schäden entstehen durch gut gemeinte, aber falsche Maßnahmen. Hier die Top-Fehler:
- Falsche Produkte: Kein Zitronenöl auf Ahorn-Griffbrettern oder WD-40 auf Lack – das zerstört Finishs.
- Ignorieren der Umwelt: Trockene Luft ist der Killer Nr. 1; viele denken, „es ist ja indoor“.
- Übertreibung: Zu viel Öl oder Polieren macht klebrig und schädigt.
- Schlechte Lagerung: Auf dem Bett oder in der Garage? Ein No-Go.
Mit Achtsamkeit bleiben diese Fallen aus.
Die Pflege von Vintage-Gitarren ist eine Liebeserklärung an die Musikgeschichte. Mit den richtigen Gewohnheiten – Feuchtigkeitskontrolle, sanfter Reinigung und sicherer Lagerung – bleibt Ihr Instrument nicht nur spielbar, sondern gewinnt sogar an Patina und Wert. Nehmen Sie sich Zeit, beobachten Sie Veränderungen und genießen Sie jeden Akkord. Haben Sie eigene Tipps? Teilen Sie sie in den Kommentaren!




