Slide-Gitarre – ein Sound, der direkt unter die Haut geht. Ob der raue Delta-Blues von Muddy Waters oder die soulvollen Läufe von Duane Allman: Die Slide-Technik verleiht der Gitarre eine einzigartige, gesungene Qualität, die mit herkömmlichem Fingerpicking oder Plektrum-Spiel einfach nicht zu erreichen ist. Wenn du dich fragst, welcher Slide für Gitarre der richtige ist, bist du hier genau richtig. In diesem umfassenden Guide tauchen wir tief in die Welt der Slides ein: Von den Materialien über Größen und Techniken bis hin zu praktischen Tipps, wie du deinen perfekten Begleiter findest. Egal, ob du Anfänger bist oder schon fortgeschritten – wir helfen dir, den Slide zu wählen, der deinen Stil perfekt ergänzt. Lass uns starten!
Fußbänke für klassische Gitarristen: Warum sie wichtig sind
Was ist ein Slide und wie funktioniert die Slide-Technik?
Ein Slide, auch Bottleneck genannt, ist ein ringförmiges oder zylindrisches Hilfsmittel, das du über einen Finger steckst und über die Saiten gleiten lässt, um Noten zu erzeugen. Im Gegensatz zum normalen Greifen mit dem Hals der Gitarre ersetzt der Slide die Bünde: Du drückst die Saite nicht herunter, sondern lässt den Slide leicht darüber schweben und bewegst ihn horizontal. Das ergibt diesen charakteristischen, glissandoartigen Übergang zwischen den Tönen – wie ein menschlicher Gesang.
Die Technik hat ihre Wurzeln im frühen 20. Jahrhundert im Mississippi-Delta-Blues, wo Musiker wie Mississippi Fred McDowell improvisierte Slides aus Flaschenhalsen oder Messern bastelten. Heute ist Slide-Spiel in Genres wie Blues, Rock, Folk und sogar Country zu Hause. Für Anfänger: Beginne mit offenen Stimmungen wie Open E (E-B-E-G#-B-E) oder Open G (D-G-D-G-B-D), da sie dir erlauben, Akkorde mit einem einzigen Slide-Druck zu spielen. In Standard-Stimmung ist es anspruchsvoller, aber machbar – ideal, wenn du hybrid spielst, also Slide und normales Greifen mischst.
Wichtig: Deine Gitarre sollte für Slide angepasst sein. Höhere Saitenlage (Action) verhindert, dass der Slide gegen die Bünde stößt und unerwünschte Geräusche erzeugt. Schwere Saiten und eine stabile Nabe sorgen für Sustain. Wenn du neu dabei bist, lass das von einem Luthier machen – es lohnt sich!
Materialien für Slides: Vor- und Nachteile im Überblick
Der Materialwahl hängt der Ton deines Slides maßgeblich ab. Jeder Stoff beeinflusst Sustain, Helligkeit und Angriff – probiere aus, um deinen Sound zu finden. Hier die gängigsten Optionen:
Glas-Slides: Warm und smooth
Glas-Slides, oft aus hitzebeständigem Pyrex oder temperiertem Glas gefertigt, liefern einen warmen, weichen Ton mit kurzem Sustain. Sie klingen „gesungen“ und eignen sich super für melodische, bluesige Läufe. Vorteile: Leicht zu kontrollieren, ideal für schnelles Spielen und Anfänger, da sie weniger Gewicht haben und den Finger nicht belasten. Nachteile: Sie brechen leicht, wenn du sie fallen lässt, und bieten weniger Biss als Metall. Perfekt für Elektro-Gitarren mit Overdrive, wo der warme Klang die Verzerrung ausbalanciert.
Metall-Slides: Bright und aggressiv
Metall-Slides aus Messing, Stahl oder Chrom-plattiertem Stahl sind die Klassiker für einen hellen, aggressiven Sound mit langem Sustain. Messing klingt etwas dunkler und wärmer, Stahl heller und schärfer – Chrom-Plattierung verstärkt die Helligkeit noch. Vorteile: Robust und langlebig (kein Brechen!), toller Sustain für kraftvolle Blues-Riffs. Nachteile: Schwerer, was für langes Spielen ermüdend sein kann, und lauter bei schnellen Bewegungen. Ideal für Akustik- oder Resonator-Gitarren, wo der metallische Punch glänzt. Berühmte User wie Rory Gallagher schwören darauf.
Keramik- und Porzellan-Slides: Der Kompromiss
Keramik oder Porzellan-Slides bieten einen Mittelweg: Etwas Sustain mehr als Glas, aber leichter als Metall, mit einem ausgewogenen, süßen Ton. Die poröse Innenseite saugt Schweiß auf und hält den Slide stabil. Vorteile: Gute Balance aus Gewicht und Klang, weniger zerbrechlich als Glas. Nachteile: Teurer und seltener in vielen Größen. Super für Hybrid-Spieler wie Keb’ Mo’, die sowohl Akustik als auch Elektro nutzen.
Tipp: Starte mit einem günstigen Metall-Slide – er ist vielseitig und verzeiht Fehler.
Größen und Passform: Der Schlüssel zum Komfort
Ein Slide muss sitzen wie angegossen – zu locker rutscht er, zu eng drückt er. Größen reichen von S (Ringgröße 4–7,5) bis XL (14–16). Miss deinen Ringfinger (am häufigsten genutzt) und rechne mit Schwellung beim Spielen. Vorteile einer engen Passform: Bessere Kontrolle bei schnellen Läufen. Lockerer Fit: Mehr Freiheit für Vibrato. Kaufe bei Bedarf mehrere Größen und teste – handgefertigte Slides variieren leicht.
Für Anfänger: Wähle eine Medium-Größe, die du leicht abstreifen kannst. Marken wie Dunlop bieten Größentabellen online.
Länge und Gewicht: Einfluss auf Spielgefühl und Ton
Länge: Kurz oder lang?
- Kurze Slides (Knuckle-Slides): Decken nur den Fingerknöchel ab, erlauben Biegen für normales Greifen. Ideal für Solos und Hybrid-Styles.
- Mittlere Länge: Kompromiss für Vielseitigkeit.
- Lange Slides: Überdecken den ganzen Finger und alle Saiten – perfekt für Akkorde in Open-Tuning.
Längere Slides erlauben breitere Intervalle, kürzere mehr Präzision.
Gewicht: Leicht für Speed, schwer für Sustain
Leichte Slides (dünne Wände) sind wendig, schwere (dicke Wände) geben mehr Druck und Ton. Passe es an deine Saitenstärke an: Schwere Strings brauchen schweren Slide, leichte leichten. Zu schwer? Der Slide presst Saiten auf die Bünde und erzeugt Kratzgeräusche. Experimentiere: Ein schwerer Glas-Slide klingt metallischer, ein leichter Metall-Slide glatter.
Welchen Finger für den Slide verwenden?
Der Ringfinger ist der Favorit: Stabil, erlaubt schwere Slides und lässt Pinky und Mittelfinger für Dämpfen frei. Der Pinky-Finger bietet Flexibilität für Greifen, ist aber wackeliger – gut für leichte Slides. Mittelfinger (wie bei Bonnie Raitt) gibt Kraft, limitiert aber Akkorde. Probiere aus: Dein Komfort zählt!
Tipps zur Auswahl: Passend zu Gitarre, Stil und Budget
- Akustik-Gitarre: Messing für warmen Ton, höhere Action.
- Elektro-Gitarre: Glas für cleanen Overdrive-Sound, leichter Slide.
- Blues vs. Rock: Aggressiv? Metall. Melodisch? Glas oder Keramik.
- Budget: Starte unter 10 € mit Dunlop – später Signature-Modelle wie Derek Trucks‘ Glas-Slide.
Berücksichtige deinen Stil: Delta-Blues braucht lockeren Fit für weites Vibrato, moderne Fusion enge für Speed. Und: Lagere deinen Slide sicher – Glas knackt leicht!
Grundlegende Slide-Techniken für Einsteiger
Bevor du kaufst, übe die Basics:
- Positionierung: Halte den Slide parallel zum Hals, leicht über den Bünden – gleite darüber, drücke nicht zu fest.
- Vibrato und Glissando: Bewege den Handgelenk für Wellen, schwebe für Übergänge.
- Dämpfen: Mit freien Fingern hinter dem Slide stumme Saiten, um Rauschen zu vermeiden.
- Intonation: Übe gerade Bewegungen für saubere Töne.
In Open-Tuning: Barre über Saiten für Akkorde. In Standard: Fokussiere Double-Stops. Hör dir Tracks von Ry Cooder an – und übe täglich 15 Minuten.
Der richtige Slide macht den Unterschied – er fühlt sich wie eine Verlängerung deines Fingers an und formt deinen einzigartigen Sound. Starte mit einem vielseitigen Modell, experimentiere und passe deine Gitarre an. Ob Glas für Wärme, Metall für Biss oder Keramik für Balance: Dein Stil entscheidet. Tauche ein in die Slide-Welt und entdecke, wie sie deine Gitarre zum Singen bringt. Hast du Fragen? Kommentiere unten!
Quellen
- Sweetwater: „How to Choose the Right Guitar Slide for You“
- Strings Direct: „A Beginner’s Guide To Guitar Slides“
- Happy Bluesman: „How to choose the right guitar slide“
- Yamaha Music: „How to Play Slide Guitar, Part 1“
- QP Slide: „Guitar slide types: how to choose the right guitar slide





